... auch bildungsferner Schichten der Bevölkerung leistet das Projekt einen mehrschichtigen Beitrag.
Zum einen ist Musik die Sprache, die keines Übersetzers bedarf und Brücken der Sympathie zu schlagen vermag, jenseits ethnischer Gebundenheiten. Während ethnische Eigenarten die Völker im Allgemeinen voneinander isolieren, erweckt eine in der Musik ausgedrückte Volksstimmung Interesse und erlaubt ein instinktives Verständnis für dessen Mentalität zu entwickeln.
Zum anderen wird die praktische Umsetzung des „Rechtes auf freie Bildungswahl“, wie wir sie im Bereich Privatmusikunterricht/Ausbildung bereits durch eine einkommensorientierte Regelung durchführen, mit „Musik als Sport“ bis in den Bereich der Sozialarbeit fortgeführt. Das heißt Kinder und Heranwachsende bildungsferner Familien werden mit einem für sie bisher unbekannten Territorium kultureller Aktivitäten in Berührung gebracht, an welches sich die Möglichkeit einer Ausbildung zum Trainer und damit einer neuartigen beruflichen Tätigkeit anschließt. Diese Art der Rückkopplung in Form von „Lernen durch Lehren“ hat neben ihren pädagogischen Vorteilen auch einen nicht zu verachtenden budgetären Vorteil in Sachen Personalfrage. Es handelt sich somit um ein sich langfristig selbst unterstützendes Projekt.
Und nicht zuletzt hat die musikalische Tätigkeit als solche eine unmittelbar sozialisierende Wirkung, wie die europaweit bisher größte Studie zur Musikerziehung belegt: „Musizierende Kinder erwerben sich eine erfolgreichere Soziabilität als nicht-musizierende. Sie verfügen über einen ziemlich „gesunden Menschenverstand“ [ ] über jene praktische Intelligenz aus Erfahrungen zu lernen und in Ursache-Wirkungszusammenhängen zu denken sowie Situationen des Lebensalltags adäquat zu erfassen und zu beurteilen. [ ] In Klassen mit Musikerziehung treten Ausgrenzungen durch Mitschüler bedeutend weniger auf.“ Denn das Prinzip der Unterwerfung ist in der Musik nicht relevant. Selbst ein Anfänger kann mit ein paar einfachen Grundtönen als Mitwirkender im soliden Klangbett eines großen Ensembles das über Spitzenleistungen verfügt, den gemeinsamen Erfolg unterstützen.
Was würde geschehen, wenn eine Musik-Olympiade eines Tages Preise vergäbe z.B. für die größtmögliche Teilnehmerzahl eines Ensembles verschiedener Nationalitäten oder verschiedener Hautfarben / Religionen, integrierter Behinderungen / Gesellschaftsschichten etc., oder für perfekte Integration der größtmöglichen Qualifikationspanne vom Anfänger bis zum Virtuosen? oder für die größtmögliche Altersspanne etc.? Können wir uns vorstellen, welche Prozesse in Gang gesetzt würden, diente der Erfindergeist und die Mitteln, die sich jetzt im Kampf um die einsame Spitze u.a. auf dem Dopingmarkt verausgaben, eines Tages dem Prinzip der Eingliederung?
Unter dem Namen „Grenzen überwinden, Menschen verbinden“ konnten wir in einem von der Badenwürttembergischen Landestiftung und der Stadt Tübingen unterstützten JES-Projekt (Jugend-Engagiert-Sich) bereits unsere ersten Erfolge der Sozialisierung durch Musik verzeichnen: |