Mein Sohn war von klein auf ein auffallend begabtes Kind dem das Lernen sehr leicht fiel, ein Kind das aber zugleich sehr empfindlich, sehr verschlossen war, womit zu leben nicht immer leicht ist, besonders für einen Jungen. Er hatte viel Kraft und vielfältige Fähigkeiten, wusste jedoch nicht wie er diesen Ausdruck verleihen konnte, daher entluden sich diese ungesteuerten Energien - mit bedingt durch seine ausgeprägte Empfindlichkeit - regelmäßig in Form von Gewalt.
Als er dreizehn Jahre war hat er für ein Jahr bei Musik-Sport, ich kann gar nicht sagen "Klavierunterricht" bekommen, sondern, er hat wirklich gezeigt bekommen wie man spielt, wie man sich des Klaviers bedient. Er war Anfänger und der Ansatz war sehr klar und einfach, aufgebaut auf der Entspannung des Körpers.
Er bekam musikalische Techniken an die Hand (Akkorde, Harmonien etc.) sowie Einblick in die Möglichkeiten des Klaviers und wie man den besten Nutzen daraus ziehen kann, kurz: die Möglichkeit autonom mit dem Instrument umzugehen. Er wurde niemals "genervt" mit den ach so technisch pedantischen Fragen der Fingerstellungen, sondern bekam die Leidenschaft für die Musik und das Instrument vermittelt durch einen raschen Zugang zu interessanten Stücken. Er wäre niemals so schnell in der Lage gewesen diese zu spielen, ohne den Ansatz dieser Technik, welche dem ganzen Körper erlaubt sich sicher zu fühlen in seinem Verhältnis zum Instrument
Sechs Monate später war es mir vergönnt meinen Sohn am Klavier in einem Vorspiel zu hören. Mir kamen die Tränen! Das in sechs Monaten Erreichte war unglaublich: schlicht und selbstverständlich, beeindruckend sowohl durch das Tempo als insbesondere die überzeugende Qualität: das saß, das stimmte, war solide. Und zudem - was mich am meisten berührt hat - zu sehen wie mein Sohn, der im Allgemeinen so verhalten ist, aus sich heraus geht mit einer Intensität, einer Leidenschaft, dass ich ihn nicht wieder erkannte. Er vermochte alles auszudrücken: Zorn, Zärtlichkeit, Empfindsamkeit ...
Von diesem Moment an, dank des Klaviers und der Musik, dank dieses Ausdrucks seiner Seele, seines Herzens - zu dem er endlich Zugang hatte - hatte er eine echte Hilfe um mit der Energie seines Innenlebens fertig zu werden und das Problem der Gewalttätigkeit hat sich nicht mehr gezeigt.
Die Musik und das Klavier haben entscheidend zu seiner persönlichen Entfaltung beigetragen. Und alles dank dem einfachen Zugang zum Instrumentund der leidenschaftlichen Begeisterung für die Musik,welche Musik-Sport zu vermitteln wusste.
Einmal hörte ein zehnjähriger Junge ihm zu: obwohl ansonsten sehr wild und ausgelassen, war dieses Kind von dem Spiel völlig gefesselt und sagt zu seiner Mutter: "Mama, so will ich Klavier spielen!" Es hat sich seit dem an's Klavier gemacht und blieb dabei mit Begeisterung.
Januar 2005